FAZ – bei 70 Tausend Euro gilt: Wer zahlt, schafft an – hier liegt die imaginäre, rote – im wahrsten Wortsinn – Linie: die Moralgrenze

Ein Kommentar von S. Noir zum Thema Werbeanzeige in der FAZ: 100 Jahre kommunistische Partei Chinas

Bei der FAZ gilt seit vergangener Woche: Moral ist verhandelbar, wenn der Preis stimmt.
Wer sich die Mühe macht und prüft, was eine ganzseitige Werbeanzeige laut offizieller Preisliste in der FAZ derzeit kostet, der landet bei knapp 70 Tausend Euro; so viel ist aus der Blutgeld-Kasse der Kommunistischen Partei Chinas in die Kasse der FAZ, für ein ganzseitiges Loblied auf die KPCh mit dem Tiel: 100 Jahre Kommunistische Partei Chinas seitens der KPCh als Finanzier, geflossen und ließ die FAZ-Kasse kräftig klingeln. Manche mögen es auch als Werbeanzeige betiteln, aber wenn ein diktatorisches System wirbt, das sich weder einer demokratischen Ordnung noch den Menschenrechten verpflichtet sieht, der mag Loblied wohl akzeptieren müssen.

Als ich letzte Woche von diesem Loblied-Gate erfuhr, dachte ich sofort an den Film: Wer früher stirbt ist länger tot und ich fragte mich, ob diese Aktion noch negative Folgen nach sich ziehen wird? Und prompt hörte man von Protestschreiben seitens der Leser, die über diese „Werbeanzeige“ stolperten und ihren Missmut gegenüber der Redaktion schriftlich äußerten. Sie konnten wohl nicht so nonchalance darüber hinwegblicken, wie es die Verantwortlichen auf Zeitungsseite taten, die das Wer-ben für Diktaturen scheinbar völlig in Ordnung finden.

Auch fragte ich mich, was mag wohl Joshua Wong, dieser junge, sympathische Hongkonger Demokratieaktivst, der sich für Freiheit, Menschenrechte und für die Demokratie in Hongkong einsetzte, darüber denken? Er besuchte vor kurzem Deutschland und erfuhr seitens Politik und Medien gehörige Aufmerksamkeit. – Wer online bei der FAZ sucht, wird einige Artikel zu diesem Thema finden. Einer der jüngsten Einträge berichtet darüber, dass der 24-jährige Joshua Wong mit anderen Freiheitsaktivisten zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. – Kann man hier eine gewisse Doppelmoral herauslesen? Auf der einen Seite über den Demokratieaktivismus in Hongkong berichten, auf der anderen Seite für ein System werben, das mit aller Härte gewaltsam gegen Menschen wie Joshua Wong vorgeht, das passt aus meiner Sicht irgendwie nicht so ganz zusammen; außer, man heuchelt scheinbares Demokratieverständnis nur vor und steht selbst nicht zu diesen unveräußerlichen Rechten.

Wie mag wohl Joshua Wong darüber denken? Mag er auch auf dieses Loblied – gesponsert von der KPCh – mit einstimmen? Wie schaut es mit den Tibetern, den Uiguren, den Faun Gong Anhängern, verfolgten Anwälten, Buddhisten, Hauschristen … in China aus, die allesamt seit Jahren auf die unterschiedlichsten Arten eine Verfolgung erdulden und ertragen müssen, die kaum Grenzen kennt? Werden sie ebenfalls mit in diesem China-Chor einsteigen und mit trällern, um das Loblied auf 100 Jahre kommunistische Partei Chinas zu singen? Es wird wohl ein einsamer, einstimmiger Chor werden, der hier singt und auch nur, weil die Sänger müssen und nicht wollen, denn, wer sich das Konstrukt KPCh genauer anschaut, wird feststellen, auch hier geht es nur um Macht und Geld.

Ich war ein großer Fan von der FAZ. Als Literatur-Liebhaber ist sie mir mit ihrem Feuilleton und mit dem legendären, leider zwischenzeitlich verstorbenen, Marcel Reich-Ranicki und dessen Wirken bei der FAZ als Leiter der Literaturredaktion, seit Kindertagen ans Herz gewachsen. So manche Kultur- und Literaturartikel waren für mich echte Sternstunden am Zeitungsfirmament in Deutschland – aber auch dieser Stern ist jetzt für mich endgültig erloschen. Moral ist nicht verhandelbar.

Ob die FAZ mit diesem Pakt auf langer Sicht glücklich werden wird, ist fraglich – denn ihre anderen Leser sind sehr kritische, konservative Bürger mit moralischen Prinzipien und ob diese ein Anbiedern an diese Diktatur aus dem Reich der Mitte tolerieren werden, wird die Zukunft zeigen.

Ich bin gespannt, wie sich diese Causa weiter entwickeln wird. Schade eigentlich, aber wenn sich irgendwo eine Türe schließt, so öffnet sich im selben Augenblick auch irgendwo eine Neue – ich lese jetzt fleißig bei der The Epoch Times und schrieb mir diesen Text von der Seele, da es gesagt werden musste.

Bleibt aufrecht und gesund!
Euer SN

Link: Die FAZ, die Kommunistische Partei Chinas und die AfD: https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2021/die-faz-die-kommunistische-partei-chinas-und-die-afd/