Lyrik: Wesendonck-Lieder Blues

Lyrik: Wesendonck-Lieder

In stiller Nacht, im fernen Klang,
beginnt ein Herz den alten Sang.
Was nie sich fand und doch geschah,
ist fern — und bleibt dem Herzen nah.

Wer die ewig währende Sehnsucht fand,
hat sie selten selbst gesucht.
Sie kam wie Nebel übers Land,
wie ein leises, heimlich Fluch.

Ein Blick, ein Wort, ein Atemzug,
mehr durfte es nicht sein.
Doch was die Welt nicht tragen kann,
schließt tief die Seele ein.

Und in der Stille wächst der Schmerz,
so süß, so schwer, so rein.
Ein unmöglicher Wille spricht:
Du sollst mir nahe sein.

Immer fern und doch vereint,
wo kein Morgen uns erscheint.
Nächtens zart und ganz allein,
weinen Tränen warm hinein.

In ein Herz, das schweigend brennt,
weil es seinen Namen kennt.
Immer fern, vom Traum umhüllt,
Sehnsucht, die kein Leben stillt.

Getrennt durch Zeit, getrennt durch Pflicht,
durch Mauern dieser Welt.
Doch wo das äußre Leben bricht,
wird innen Licht bestellt.

Was nie Besitz und niemals Recht,
was nie Erfüllung war,
wird in der Tiefe echt und rein,
unsterblich, sonderbar.

Und jeder Ton trägt dein Gesicht
durch Nacht und Einsamkeit.
Was uns das helle Leben nimmt,
bewahrt die Dunkelheit.

Immer fern und doch vereint,
wo kein Morgen uns erscheint.
Nächtens zart und ganz allein,
weinen Tränen warm hinein.

In ein Herz, das schweigend brennt,
weil es seinen Namen kennt.
Immer fern, vom Traum umhüllt,
Sehnsucht, die kein Leben stillt.

O süßer Schmerz, o stilles Band,
das keiner lösen kann.
Was nie die Welt zusammenfand,
fängt erst im Innern an.

Kein Wort befreit, kein Blick gesteht,
kein Tag macht uns bereit.
Doch wenn die Nacht durch Träume geht,
sind wir nicht mehr entzweit.

Immer fern und doch vereint,
bis die letzte Sehnsucht weint.
Nächtens zart, im Sternenschein,
darfst du meine Nähe sein.

Was unmöglich war und bleibt,
hat sich tief ins Herz geschrieben.
Immer fern — und doch vereint,
ewig suchend, ewig liebend.

In stiller Nacht, im fernen Klang,
verweht der nie gesungne Sang.
Was nicht sein durfte, bleibt doch wahr:
so fern — und doch für immer da.

S.

Song: https://www.ganjingworld.com/s/bp3Yq2rzOq