Schnee, Schatten, Schrattenbach
Der Zug nach Gloggnitz schleicht durch’n Schnee,
graue Wälder, kalter Tee.
Brenner sitzt am Fenster still,
raucht zu viel, wie er’s halt will.
Semmering im Nebelgrau,
alte Villen, Himmel lau.
Und irgendwo im Fichtenwald
wartet etwas müd und kalt.
Schnee, Schatten, Schrattenbach,
über allem liegt die Nacht.
Und die Wahrheit geht so leis’,
wie a Schritt im alten Eis.
Schnee, Schatten, kalter Wind,
Menschen fliehen, weil sie’s sind.
Und der Brenner schaut nur zu,
mit ana Zigarette und ka Ruh.
Valerie mit weißem Haar,
steht im Türrahmen sonderbar.
„Du rauchst noch immer viel zu viel.“
„Du bist noch immer schön“, sagt er still.
Rindssupp’n dampft im Kerzenschein,
Grauburgunder, schwer wie Wein.
Doch der Felix schaut zu lang
in sein leeres Weinglas rein.
Schnee, Schatten, Schrattenbach,
irgendwer hält heute Wacht.
Zwischen Schweigen, Glas und Rauch
spürt der Brenner irgendwas auch.
Schnee, Schatten, falscher Blick,
einer plant schon sein Geschick.
Und der Winter deckt es zu
wie a Lied in Moll dazu.
Morgens schreit die Rosa laut,
unten liegt wer halb verschneit.
Mantel dunkel, Arme krumm,
alles still und alles stumm.
„Sturz im Frost“, sagt der Inspektor jung,
doch der Brenner bleibt stumm.
Denn a Körper fällt net so,
wenn der Schnee ihn leise zog.
A Schuh unter’m Bett versteckt,
Größe zweiundvierzig checkt.
Doch der Tote draußen trägt
vierundvierzig – aufgelegt.
Schnee, Schatten, Schrattenbach,
einer stirbt und einer lacht.
Nicht aus Freude – eher leis’,
wie a Mensch vorm letzten Kreis.
Schnee, Schatten, neue Spur,
falscher Tod und falsche Uhr.
Und der Brenner denkt beim Bier:
Manche fliehen nur vor sich hier.
Im Goldenen Lamm brennt noch Licht,
Wien vergisst die Menschen nicht.
Und irgendwo im weißen Land
trägt einer jetzt a fremdes Gwand.
S.
Song: https://youtu.be/mB6LRCJ83sw?si=PanKiF2KjSXa801y