Apfelstrudel & Abgesang

Apfelstrudel & Abgesang

Nebel hängt wie a nasses Tuch,
über Wien liegt a müder Fluch.
Herrengasse, Licht noch an,
als hätt die Sonn’ vergessen wann.

Im Goldenen Hahn, a leerer Blick,
der Brenner rührt – ka Weg zurück.
Vier Monat Ruh, ka Wort, ka Streit,
doch irgendwas in ihm schreit.

Apfelstrudel, warm und schwer,
Wien liebt sich selbst – und kann nicht mehr.
Zwischen Zucker, Rauch und Zeit
liegt Wahrheit, die keiner schreit.
Apfelstrudel, süß und still,
jeder nimmt sich, was er will.
Doch manchmal steckt im letzten Biss
mehr Freiheit als man glaubt, dass’s ist.

„Herr Kommissar“, die Stimme jung,
„a Tote – Sacher-Wallenstein, grad um.“
Gesicht im Strudel, Porzellan,
als hätt sie sich zur Ruh getan.

Bittermandel in der Luft,
Vanillesauce, süßer Duft.
Doch irgendwo im warmen Teig
liegt a Ende, das keiner zeigt.

Apfelstrudel, leise Tat,
keiner sieht, was keiner hat.
Zwischen Tradition und Schein
passt a ganzes Leben rein.
Apfelstrudel, alter Klang,
Walzer dreht sich viel zu lang.
Und irgendwo im Zuckermeer
will einer plötzlich nimmer mehr.

Die Jungen reden laut von Welt,
von Zukunft, die ihnen fehlt.
Mit Farbe, Worten, bissl Wut,
doch keiner weiß, wie’s enden tut.

Und irgendwo schreibt eine Hand
von Freiheit, die nie entstand.
Sechzig Jahr im falschen Kleid,
und keiner sieht die Einsamkeit.

Zwei Gesichter, ein Leben lang,
zwischen Pflicht und innerem Drang.
Und wenn am End die Wahrheit spricht,
dann kennt dich selbst die Stadt nicht.

Apfelstrudel, letzter Akt,
kein Mörder, der hier noch fragt.
Nur a Frau, die leise geht,
weil keiner je die Wahrheit seht.
Apfelstrudel, Abschied leis,
ohne Schuld, ohne Beweis.
Und der Brenner steht im Rauch
und versteht – vielleicht – sich auch.

Die Stadt bleibt grau, die Donau fließt,
als wär’s egal, wer hier zerbricht.
Und irgendwo im Morgenlicht
geht einer heim – und wartet nicht.

S.

Song: https://www.ganjingworld.com/de-DE/video/1idrdke651uunPfimzTuzm8Ao1jt1c

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