Lyrik: Der stille Aufstand – April 25, 1999

Der stille Aufstand – April 25, 1999

Leise Schritte im Morgenlicht
keine Parolen, kein Gesicht
Zehntausend stehen – still und klar
keiner ahnt, was kommen war

Frühling in der Stadt aus Stein
eine Straße, lang und rein
keine Stimmen, nur der Blick
jeder Schritt ein Stück zurück

Keine Fahnen, keine Macht
keine Worte laut gemacht
nur ein Atem, nur ein Sein
und die Hoffnung: „Man hört uns rein“

Doch was friedlich vor uns stand
wurde umgedeutet dann
was nur Bitte, wurde Schuld
und Geduld zerbrach an Ungeduld

Der stille Aufstand, keiner schreit
doch er trägt durch jede Zeit
Wahrheit, die im Schatten steht
Barmherzigkeit, die weitergeht

Der stille Aufstand, leise Kraft
die kein System je ganz zerrafft
Was man nimmt, was man verbrennt
bleibt doch das, was man erkennt

Aus der Stille wird ein Bann
den man nicht ertragen kann
zu viel Geist in freiem Raum
zu viel Licht für diesen Traum

Namen fallen, Türen zu
keine Stimme, keine Ruh
was nicht passt, wird neu erklärt
bis es keiner mehr gehört

Und die Welt schaut langsam weg
Worte bleiben ohne Zweck
zwischen Handel, Macht und Geld
wird das Schweigen laut gestellt

Der stille Aufstand, keiner schreit
doch er trägt durch jede Zeit
Wahrheit, die im Schatten steht
Barmherzigkeit, die weitergeht

Der stille Aufstand, leise Kraft
die kein System je ganz zerrafft
Was man nimmt, was man verbrennt
bleibt doch das, was man erkennt

Und irgendwo, im fremden Land
steht noch jemand – unbeirrt, gespannt
ohne Bühne, ohne Licht
nur mit Haltung im Gesicht

Sie sagen nichts – und sagen viel
kein Applaus, kein großes Ziel
nur ein Mensch, der stehen bleibt
weil er weiß, was ihn antreibt

Kein Echo – nur Erinnerung
kein Urteil – nur Verschiebung
kein Ende – nur der Lauf
und irgendwo hört es nicht auf

Der stille Aufstand, Jahr für Jahr
unsichtbar – und doch so klar
Was verdrängt wird, lebt fort
jenseits Zeit, jenseits Ort

Der stille Aufstand – leiser Schwur
gegen Macht und ihre Spur
Und wer hinsieht, der versteht:
dass das Leise niemals vergeht

Leise Schritte, unverwandt
eine Straße, ein ganzes Land
Und die Frage bleibt besteh’n:
Wer wird heute hinseh’n?

S.

Song: https://www.ganjingworld.com/s/mZYqEErjxY