Normal? Abnormal? Egal?

In der Zwischenzeit, im August 1914, hat der 1. Weltkrieg begonnen. Franz Kafka notiert: »Deutschland hat Russland den Krieg erklärt. Nachmittags schwimmen.«
So irrsinnig es auch klingt: Krieg ist gar nicht so schlimm, wenn man selbst nicht daran teilnehmen muss! Selbst dann, wenn man Kanonenfutter – für andere (Personen, Interessen, Unmenschen und Irrsinnigen) – spielen muss; so wird das Abartige ganz schnell zur Normalität. Der Mensch ist – das mag man für gut oder für schlecht halten, leider ist es eine Realität – schnell dabei, sich mit dem Abnormalem, dem Irrsinnigen, dem Unmenschlichen abzufinden – zurechtzufinden – und nicht wenige sind Meister im sich arrangieren. Jedoch, umso länger dieser Selbstbetrug andauert, umso mehr leidet die Seele – die nicht sichtbaren Verletzungen der Menschen nach Ausnahmezeiten, wie Krieg etc., sind stets enorm, auch belastend und auch prägend für den Einzelnen und für die Gesellschaft.

Mein geschätzter Thomas Mann, auch ein Mann der Zeit. Den 1. WK hochgejubelt, im 2. WK schlug er andere Töne an; so schrieb er seinerzeit:

»Euer Gehorsam ist grenzenlos, und er wird, dass ich es euch nur sage, von Tag zu Tag unverzeihlicher.« (Thomas Mann)

S.