Donauwelle des Doppelgängers

Donauwelle des Doppelgängers

Am Schwedenplatz, der Walzer klingt,
die Donau zieht ihr graues Ding.
Dreitausend Leit, a Spritzer kalt,
der Brenner steht da, müd und alt.

A Filterlose, a Blick ins Grau,
die Stadt is laut, die Donau lau.
Und irgendwo im Mehlspeisstand
liegt heut der Tod im Zuckergwand.

Donauwelle, dunkel und süß,
Wien tanzt weiter, merkt gar nix.
Doch irgendwo lacht einer leis –
ein alter Feind, ein kalter Kreis.
Donauwelle, Spiel beginnt,
zwei Kommissare, gleicher Sinn.
Einer jagt und einer lacht,
und Wien schläft weiter in der Nacht.

Fünfzehn Uhr sieben – ein Schrei im Wind,
a Frau fällt um, a Kind beginnt
zu weinen laut im Menschenmeer,
die Musik verstummt, der Platz wird leer.

Brenner riecht es sofort im Rauch,
Bittermandel im Zuckerbauch.
»Nix mehr essen!«, ruft er laut,
doch das Gift hat schon gebaut.

Donauwelle, schwarz wie Nacht,
wer hat dieses Spiel erdacht?
Buttercreme und Schokolade,
doch im Kern liegt kalte Gnade.
Donauwelle, süß und still,
Drexler spielt, weil er es will.
Und der Brenner weiß genau –
das wird noch a zweite Schau.

Naschmarkt später, Mittagssonn,
zwei alte Männer auf a Bank davon.
»Leopold«, sagt der andre leis,
»du warst immer besser – ich weiß.«

Dreißig Jahr im Schattenland,
mit deinem Bild in meiner Hand.
Nur ein Spiel, nur ein Beweis,
dass du mich kennst – und ich dich weiß.

Die Donau fließt, ganz ohne Wort,
sie nimmt die Schuld einfach fort.
Doch zwei alte Seelen hier
tragen ihre Jahre schwer.

Donauwelle, letzte Rund,
Wien bleibt ruhig, Wien bleibt bunt.
Doch zwei Tote, still und kalt,
liegen schwer auf dieser Stadt.

Donauwelle, Spiel vorbei,
Handschell’n klicken – eins, zwei, drei.
Und der Brenner denkt im Rauch:
Einsamkeit vergiftet auch.

Die Donau zieht ihr graues Band,
durch Wien, durch Zeit, durchs Menschenland.
Und irgendwo im Abendlicht
sitzt einer still – und vergisst ihn nicht.

S.

Song: https://www.ganjingworld.com/s/w1kD4MXr3A