Der Spaziergänger – Die Kuppel
Ende Juni.
Europa unter einer Kuppel.
Kein Wind. Kein Entkommen.
Der Himmel schweigt –
die Erde beginnt zu reden.
Ich geh durch die Straßen, der Asphalt wird weich,
die Sonne hängt blutig über dem Reich.
Fenster geschlossen, die Luft steht still,
als ob uns der Himmel etwas sagen will.
Frankreich zählt Grade, die keiner mehr glaubt,
fünfundvierzig – und die Felder sind verstaubt.
Belgien schlägt Alarm, Europa glüht,
während über den Dächern die Wirklichkeit zieht.
Omega am Himmel, die Strömung blockiert,
eine Kuppel aus Hitze, die alles regiert.
Kein Parlament kann den Horizont drehen,
kein Präsident lässt den Regen entstehen.
Die Sprecher berichten von kommenden Qualen,
von neuen Rekorden und steigenden Zahlen.
Doch hinter den Worten, so nüchtern und klar,
steht eine Frage, die lange schon da war:
Ist das nur Wetter?
Ist das nur Zeit?
Oder hält uns der Himmel
einen Spiegel bereit?
Die Kuppel steht, der Himmel brennt,
als ob die Welt ihr Ende kennt.
Sind die Tore der Hölle geöffnet worden?
Feuer im Süden, Krieg aus dem Norden.
Die Kuppel steht, die Erde spricht,
doch die Mächtigen hören die Warnung nicht.
Mehr Waffen, mehr Tränen, noch mehr Geld –
findet eine Korrektur statt in der Welt?
Zwei bis vier Grad heißer die Wellen der Zeit,
Europa erwärmt sich mit doppelter Geschwindigkeit.
Der Mensch baut Mauern, der Mensch baut Raketen –
doch kann er der Sonne den Aufgang verbieten?
Anfang Juli – kehrt die Hitze zurück?
Oder bringen Gewitter ein wenig Kühlungsglück?
Die Modelle schwanken, die Zukunft bleibt weit,
zwischen kühleren Tagen und weiterer Heißzeit.
Während wir rechnen und endlos debattieren,
beginnen die Felder ihr Grün zu verlieren.
Die Natur braucht keine Mehrheit im Haus,
sie spricht ihr Urteil und führt es auch aus.
Sie braucht keine Wähler, kein Amt, kein Mandat,
keine Armee und keinen Staat.
Sie hebt nur die Hand, und der Mensch erkennt,
wie klein seine Macht ist, wenn die Erde brennt.
Die Kuppel steht, der Himmel brennt,
als ob die Welt ihr Ende kennt.
Sind die Tore der Hölle geöffnet worden?
Feuer im Süden, Krieg aus dem Norden.
Die Kuppel steht, die Erde spricht,
doch die Mächtigen hören die Warnung nicht.
Mehr Waffen, mehr Tränen, noch mehr Geld –
findet eine Korrektur statt in der Welt?
Im alten China, wenn die Ernte verdorrte,
wenn Flüsse versiegten und Feuer die Orte
verschlang, fragte der Kaiser nicht nur nach dem Wind –
er fragte, wo seine eigenen Fehler sind.
Er blickte nach innen und senkte sein Haupt,
weil man an das Mandat des Himmels geglaubt.
Katastrophen galten als warnendes Licht:
„Herrscher, korrigiere dich – täusche dich nicht.“
Doch wer fragt heute: „Was hab ich getan?“
Wer hält in den Palästen die Kriegspläne an?
Wer sucht seine Fehler, wer kehrt wirklich um,
wenn Städte zerbrechen und Kinder verstumm’n?
Noch mehr Milliarden, noch mehr Geschütz,
noch mehr Parolen vom eigenen Schutz.
Noch mehr Grenzen, noch mehr Feind,
bis niemand mehr weiß, was Frieden meint.
Kein Glaube im Herzen, nur Macht im Blick,
jede Eskalation ein weiterer Schritt.
Sie sprechen von Siegen, von Stärke und Pflicht,
doch vom Wert eines Lebens sprechen sie nicht.
Vielleicht ist die Hitze ein göttliches Gericht.
Vielleicht ist sie Folge –
in der Hitze – in diesem Angesicht.
Wie lange noch Krieg?
Wie lange noch Gier?
Wie lange verkaufen sie Angst vor der Tür?
Wie lange noch Waffen statt Wasser und Brot?
Wie lange noch Wachstum auf Krankheit und Tod?
Die Erde wird heißer, die Herzen werden kalt,
der Mensch nennt es Fortschritt –
doch der Abgrund reisst auf, unter dem Asphalt.
Die Kuppel steht, der Himmel brennt,
als ob die Welt ihr Ende kennt.
Sind die Tore der Hölle geöffnet worden?
Feuer im Süden, Krieg aus dem Norden.
Die Kuppel steht, die Erde spricht,
doch die Mächtigen hören die Warnung nicht.
Mehr Waffen, mehr Tränen, noch mehr Geld –
findet eine Korrektur statt in der Welt?
Die Kuppel steht – doch noch ist Zeit,
noch liegt ein anderer Weg bereit.
Kehrt um vom Hass, beendet das Leid,
denn kein Krieg führt zur Menschlichkeit.
Ich gehe weiter.
Die Straßen sind leer.
Über mir die Kuppel.
Unter mir verbrannte Erde.
Irgendwo schlägt eine Glocke.
Als Warnung.
S.
Song: https://www.ganjingworld.com/s/RpROvQBm34
Text zum Song: https://www.ganjingworld.com/s/jN2ZGBwJb7