Lyrik: Die Lücke ist kein Fehler

Die Lücke ist kein Fehler

Der Wind zieht durch die leeren Seiten,
ein leiser Ruf aus ferner Zeit.
Was wir verlieren, bleibt verborgen,
doch manches trägt die Ewigkeit.

Sie saß am Meer und lauschte dem Wind,
wo alte Worte verloren sind.
Ein Stück Papier, ein halber Satz,
die Zeit nahm fort, was niemand ersetzt.

Die Dichter schrieben gegen die Nacht,
doch nicht jedes Wort hat sie überbracht.
Was übrig blieb, erzählt uns mehr,
als stünde alles vollständig hier.

Und zwischen Zeilen, still und weit,
liegt mehr als nur Vergangenheit.
Wer alles füllt, wer alles erklärt,
hat vielleicht das Wichtigste überhört.

Die Lücke ist kein Fehler,
kein Irrtum in der Zeit.
Sie ist ein stiller Zeuge
von der Unendlichkeit.

Die Lücke ist kein Fehler,
kein Wort, das uns zerbricht.
Denn manchmal spricht das Schweigen,
wo selbst die Sprache nicht mehr spricht.

Auf altem Papyrus, vom Sand bewacht,
hat Sapphos Stimme die Zeit durchwacht.
Ein halber Vers, ein offener Raum,
ein längst vergessener Liebestraum.

Anne lässt die weißen Stellen stehn,
sie will nicht mehr als andere sehn.
Sie lässt das Ungewisse zu,
und gibt den alten Stimmen Ruh.

Kein fremdes Wort soll dort entstehen,
wo wir die Wahrheit nicht mehr sehen.

Denn jede Scherbe trägt ein Licht,
doch zeigt sie uns das Ganze nicht.
Was fehlt, gehört zur Wirklichkeit,
ein offenes Fenster durch die Zeit.

Die Lücke ist kein Fehler,
kein Irrtum in der Zeit.
Sie ist ein stiller Zeuge
von der Unendlichkeit.

Die Lücke ist kein Fehler,
kein Wort, das uns zerbricht.
Denn manchmal spricht das Schweigen,
wo selbst die Sprache nicht mehr spricht.

Die Maschinen schreiben Satz um Satz,
für jedes Schweigen finden sie Ersatz.
Sie schließen Risse, machen glatt,
was seine eigene Geschichte hat.

Ein Leuchtturm strahlt durch dunkle Nacht,
ein künstliches Licht, das Worte entfacht.
Doch wer erkennt im hellen Schein,
wo die Grenzen unserer Worte sein?

Nicht jede Antwort führt zum Ziel,
nicht jedes Wissen sagt uns viel.
Und manchmal bleibt der größte Sinn
in dem verborgen, was verschwand.

Ein Bruder geht, ein Brief verweht,
ein Leben, das im Dunkeln steht.
Ein Name bleibt, ein letzter Gruß,
ein Abschied ohne rechten Schluss.

Und auf den Seiten, grau und leer,
liegt eine Liebe, still und schwer.

Die Lücke ist kein Fehler,
sie ist ein Teil von uns.
Sie trägt die ungesagten Worte,
die Sehnsucht und die Kunst.

Die Lücke ist kein Fehler,
sie ist der Raum, der bleibt.
Wo Worte an ihr Ende kommen,
beginnt vielleicht die Ewigkeit.

Der Wind zieht durch die leeren Seiten,
kein Wort hält seinen Atem auf.

Nicht alles muss ein Ende finden.
Nicht alles braucht den letzten Satz.

Die Lücke ist kein Fehler.

S.

Song: https://www.ganjingworld.com/s/Kjee3vxyWG