Wenn der Michel erwacht
Er sitzt am Tisch, die Uhr tickt leise
Brot und Ordnung, Tag für Tag
Man hält ihn für berechenbar
Für still, für satt, für schlafend brav
Er spricht wenig, denkt dafür
Gräbt tief, bevor er etwas baut
Man nennt das Trägheit, nennt es Ruhe
Und übersieht, was darunter lauert
Man sagt: Das Volk schläft
Und glaubt, es bleibt dabei
Der deutsche Michel schläft tief
Doch wenn er aufsteht, bebt der Grund
Er kommt nicht laut, er kommt nicht schnell
Aber dann – dann ganz und unumkehrbar
Halt ihn nicht für harmlos
Nur weil er lange schweigt
Wenn der Michel erwacht
Wankt jede Ordnung, die ihn unterschätzt
Er zählt die Tage, nicht die Siege
Misstraut dem schnellen Applaus
Was andere stürmen, prüft er dreimal
Und trägt es still nach Haus
Man lacht über seine Langsamkeit
Über Pflicht und Pedanterie
Doch wer ihn einmal in Bewegung sah
Vergisst das Lachen nie
Die Ruhe täuscht
Sie ist kein Frieden
Der deutsche Michel schläft tief
Doch wenn er aufsteht, bebt der Grund
Er kommt nicht laut, er kommt nicht schnell
Aber dann – dann ganz und unumkehrbar
Halt ihn nicht für harmlos
Nur weil er lange schweigt
Wenn der Michel erwacht
Wankt jede Ordnung, die ihn unterschätzt
Gefährlich ist nicht der Sturm
Der sich früh ankündigt
Gefährlich ist der Himmel
Der zu lange klar bleibt
Er fragt nicht oft
Doch wenn er fragt
Ist es zu spät für einfache Antworten
Der deutsche Michel schläft tief
Doch wenn er erwacht, bleibt nichts beim Alten
Kein halbes Wort, kein halber Schritt
Er geht den Weg bis zum Ende
Das Volk schläft – sagt man
Bis es aufsteht und handelt
Und dann ist die Ruhe vorbei
Man sollte lernen
Stille ernst zu nehmen
S.
Song: https://www.ganjingworld.com/s/N1eQX6lm1Y