Ein Brief an A.

Hallo A.,

danke für Deine Antwort. Habe nicht erwartet, dass Du auch die Zeit für ein paar Zeilen finden würdest. Vielleicht geht es Dir ja auch so wie mir. Dank – will ich jetzt nicht sagen – sagen wir lieber – den Umständen der Zeit geschuldet – findet sich doch die ein oder andere Veränderung im Hamsterrad des Lebens ein. Man denkt, fühlt und vielleicht sogar handelt man anders, seit uns Corona ereilte – manche sprechen ja sogar vom China-Virus, Wuhan-Virus oder KPCh-Virus, aber egal, wie wir ihn titulieren, er hat verändert und er verändert noch; vielleicht verändert er sich selbst auch noch? Die Zeit und wie wir sie nutzen, wie wir sie füllen, mit was wir uns beschäftigen, das befindet sich alles in einer großen Veränderung – notgedrungen. Vielleicht ist das sogar einer der positiven Aspekte, wenn man das überhaupt so, bei dieser ganzen Tragik, sehen und sagen kann. „Ein Brief an A.“ weiterlesen

Ein Brief: H.

Servus H.,

Menschenskinder, wie die Zeit vergeht! Als wir uns das letzte Mal begegnet sind, fanden wir nicht viel Zeit, uns zu unterhalten. Vielmehr hast Du mich gleich in Dein Vorhaben mit hineingezogen, als sei es das normalste von der Welt und wir waren im Schloss auf der Suche nach A. Viele Stufen mussten wir nach oben in die höheren Stockwerke, im schnellen Schritt, Du vorauseilend, ich folgte Dir im ebenfalls schnellen Schritt. Ich hatte ja A. jetzt selbst auch schon mehrmals getroffen, weiß immer noch nicht so recht, was ich von ihr halten soll, aber ich glaube, sie hat sich verändert, wahrscheinlich mehr zum Schlechten hin, aber bei ihrer Vorgeschichte, wundert mich das jetzt nicht. „Ein Brief: H.“ weiterlesen

Ein Brief für T.

Lieber T.,

zufällig sind wir uns nach einer Lesung von mir über den Weg gelaufen – ich glaube Du bist auch im Publikum gewesen – und wir konnten, als wir beide zu unseren Autos gingen, noch ein paar Worte miteinander wechseln; es war ganz nett und unterhaltsam und ich erinnere mich noch an dein Auto – ein Rolls-Royce Phantom. Noch dazu mit einem waschechten Chauffeur, der Dir die Tür aufhielt, als wir bei Deinem Wagen standen; es war an einem herbstlichen Abend, es dämmerte bereits und es war ein Augenblick, wie aus einem englischen Roman. Selbst der gute alte Royce trug dezente herbstliche Farben und wenn ich schätzen müsste, auch ohne Fachmann zu sein, er müsste circa Baujahr 1960 – oder noch älter – gewesen sein. Dieses schöne Stück Zeitgeschichte, dieser Moment am Rande der Stadt und dieses sich plötzlich in Szene schieben, dieses markanten und ungewöhnlichen Anblicks in Form eines Kfzs, erweckten, dann doch sehr schnell, nach der ganzen Anspannung und nachgängigen Ermattung, nach meiner Lesung, wieder meine volle Aufmerksamkeit. „Ein Brief für T.“ weiterlesen

Ein Brief nach England – Türen

Guten Tag E., guten Tag P.,

wie doch die Zeit verfliegt. Es müsste jetzt knapp vor zehn Jahre gewesen sein, als wir uns das letzte Mal begegnet sind. Es war – und ich erinnere mich noch sehr gut daran – auf einer Pferderennbahn; ich bin gerade angekommen, musste mich noch orientieren und meine Begleitung und ich suchten eine Garderobe. Und genau bei dieser Suche sind wir uns dann schließlich begegnet. Die gewöhnliche Distanz, die Menschen zueinander verspüren, wenn sie sich das erste Mal begegnen, die war bei uns überhaupt nicht vorhanden, vielmehr gingen wir sehr vertraut miteinander um. Auch scheint ihr gleich auf Anhieb verstanden zu haben, wonach wir suchten, und ihr öffnete eine Tür, die direkt in den – auf mich sehr dunkel wirkenden – Keller führte. Irgendwie erinnerte mich dieser Anblick an ein altes Sportheim mit den alten Holzvertäfelungen und diesem holzigen Geruch, der sich mit Schweiß, Bier und der Zeit zu einem sehr markanten und strengen Duft vermischt, der sicher nicht mehr aus diesem Material zu treiben ist; er wird wahrscheinlich bis ans Ende seiner Tage dort eingeprägt bleiben. Und so war ich dann auch nicht dazu zu bewegen, diese Stufen abwärts zu schreiten – ihr wisst ja sicher, aber ich wusste ja auch … „Ein Brief nach England – Türen“ weiterlesen

Sprache – Kunde oder nicht?

Lieber C. K.,

unsere Gesellschaft scheint polarer zu werden. Hier ist es nur legitim, wenn Sie ihren Nachnamen alle Ehre zollen wollen und versuchen diese inhomogene Masse von einzelnen Individuen wieder stärker miteinander zu verbinden, zusammen zu kleben. Nur scheint mir, dass dieser Vorgang des Kitten-Wollens, lediglich ein frommer Wunsch bleiben wird, denn die Polarisierung schreitet in einem sich immer deutlicher abzeichnenden Maße voran, so dass es selbst der stärkste rhetorische Kleber nicht mehr vermag zu verbinden. „Sprache – Kunde oder nicht?“ weiterlesen

Ein Brief nach Frankreich

Lieber N.,

wie geht es Dir? Ich habe neulich, als ich spazieren ging, zufällig an Dich gedacht u. mich gefragt, wie es Dir wohl geht. Erinnerst Du Dich noch an unsere erste Begegnung? Ich kam zu Dir ins Amt, wusste aber nicht, was mich erwartet, u. ich wusste auch nicht, dass Du dort tätig bist. War dann, zugegeben, etwas überrascht, dass ich Dich dort antraf. Ein Dokument, welches ich benötige, führte uns zusammen u. ließ unsere Wege kreuzen; erinnerst Du Dich noch an das Schreiben? „Ein Brief nach Frankreich“ weiterlesen

Der Sommerabendspaziergang

Liebe A.,

erinnerst Du Dich noch an unseren Spaziergang in meinem Heimatdorf? Es war ein schöner warmer Sommerabend; wir gingen Arm in Arm verschränkt u. wir sprachen über die vielen Dinge des Lebens. Du in Deiner Position, bist schon immer daran interessiert gewesen, politisch ganz oben mitzumischen, u. das politische Glück war Dir auch stets wohlgesinnt. Obwohl Du dann doch viele Jahre älter bist als ich, suchtest Du – fast kindlich – den Rat bei mir u. obwohl Du Deine Fragen nicht direkt ausformuliertest, wusste ich, dass Du eine Frage auf dem Herzen trugst. Wir liefen, Du an meiner rechten Seite, Arm in Arm verschränkt u. noch bevor wir zu Deinen Fragen kamen, sah ich deine Kindlichkeit in Deinen Augen u. ich stellte Dir eine Frage. Auch meine Frage habe ich Dir nie in einer sprachlichen Form gestellt, vielmehr musst Du es in meinen Gedanken oder in meinen Augen gelesen haben u. Du gabst mir zu verstehen, dass es keine Umkehr, keine Rückkehr für dich gibt, da Du zu lange u. zu tief darin verstrickt gewesen bist. „Der Sommerabendspaziergang“ weiterlesen