Der Freytag: Weltgericht – plötzlich und unerwartet

Johannes nimmt soeben Platz vor dem Gemälde: Weltgericht von Stefan Lochner im Wallraf-Richartz-Museum in Köln. Weich und bequem ist die Sitzbank, wenn auch ohne Lehne; das Anlehnen wäre jetzt eine Wohltat für seinen geschundenen Rücken: Fünf Stunden Museumsbesichtigung sind anstrengend; dennoch freut er sich über die Bank, wie ein kleines unschuldiges Kind. Warum sind Museumsbesuche immer anstrengend? Geistert durch seinen… Read more →

Wagner-Wissen

Nächsten Mittwoch der Tannhäuser in Bayreuth (WagnerFestival). Wir sind auf Klaus Florian Vogt als Tannhäuser gespannt. Etwas Wagner-Wissen: Über die Tannhäuser-Ouvertüre schreibt Richard Wagner als Bemerkung: »Nicht schleppend, gehend«. (R. liebte das Partizip Präsens ebenso.) Der Zwiespalt zwischen profaner und sakraler Liebe und die Erlösung durch Liebe zieht sich durch Wagners Leben; es schleppt sich mit. 2022 haben wir den… Read more →

Der seidene Faden

Die Intelligenz zerstört durch Schweigen; die Dummheit zerstört durch Wut; die Habgier zerstört durch Neid. Die Obrigkeit zerstört durch Arroganz. – Das Böse wirkt zerstörerisch mithilfe der Versuchung. Auch die Puppenspieler hängen an seidenen Fäden. S. Read more →

Der Freytag: Neues vom Theorieminister – Ich denke, also bin ich?

Jedem Wissen steht häufig eine Erkenntnis voran. Wissen ohne Erkenntnis nenne ich Bildung; sie kann niemals so tiefgründig im eigenen inneren Ich verankert sein, wie das Wissen, das durch eigene Erkenntnis erschlossen wurde. Erkenntnisgewinnung ist ein innerer, stiller Vorgang, dem häufig viele Denkmomente und Überlegungen voranstehen. Welche Voraussetzungen benötigen Erkenntnisse? – Die Fundamente unserer Glaubens- und Wissens-Konstrukte sind häuft fragil… Read more →

Der Freytag: Auf den Spuren von Wagner und Goethe in Marienbad

Auf den Spuren von R. Wagner und J. W. v. Goethe in Marienbad (Mariánské Lázně) unterwegs. 1845: Richard Wagner fand in der Abgeschiedenheit und Ruhe Marienbads Inspiration; entwarf hier zwei seiner wichtigsten Werke: Lohengrin und Die Meistersinger von Nürnberg. – Wohin wir auch gehen; Teile von uns bleiben stets zurück. Zeit der Anreicherung, wie Jünger sie nannte. Ab nächste Woche… Read more →

Der Freytag: Dichtung benötigt Distanz

Dichtung benötigt Distanz. Wer verdichten will, sollte Beobachter sein. Die Zeiten wiederholen sich, sagt man. Ich las das Buch Februar 33 von Uwe Wittstock, einem deutschen Literaturkritiker und denke immer häufiger über den Inhalt des Buches nach; sein Werk lässt uns Spätgeborene, diejenigen von uns, die die irren Zeiten in Deutschland nicht am eigenen Leib miterleben mussten, besser verstehen; begreifen,… Read more →

Der Freytag: Heiße Nächte in Palermo

Er sitzt im Café. Trinkt gedankenversunken seinen Cappuccino, der mit einer südländischen, lebensbejahenden Leichtigkeit frisch in diesem kleinen Café in Palermo serviert wurde. Das Interior ist verlebt, es atmet noch melancholisch die Luft der Vergangenheit. Die Kaffeefreude, das abgelebte Drumherum von diesem Ort des Augenblicks umschlingt wärmend sein Gemüt und beflügelt seine und die Seele aller anderen. Die Stimmung trägt… Read more →

Der Freytag: Lyrik, Sprache – Bildsprache, Malerei

Ich sitze im Café. Der Cappuccino steht dampfend, duftend, fast lebendig vor mir; ich rühre im Schaum, gedankenversunken; denke über meine Rede nach, die ich in zwei Wochen zur Eröffnung einer Kunstausstellung halten werde – zur internationalen Kunst-Ausstellung: Die Kunst von Zhen Shan Ren (Wahrhaftigkeit Güte Nachsicht) in Coburg vom 19. – 23. Juli. Am 19. Juli zur Eröffnung werde… Read more →

Der Freytag: Irren ist menschlich

Eng war die Zusammenkunft und von kurzer Dauer; das Annähern an den Ausgangspunkt: wie Tiere auf engstem Raume; das Leben gedrückt, Stimmen verwischen zum Gegacker, reduziert auf die Belanglosigkeit des eigenen, unumstößlichen Rahmens von Akzeptanz und Ignoranz. Neulich war ich Wandern – fernab vom Schreibtisch tickt die Welt ruhiger und viel erhabener; das viel zu enge Korsett der Wohnung abgelegt,… Read more →

Wahljahr 2023

Bevormundung: Der letzte Nachruf der Vergessenen im Kreis der Wahl, ohne Wahl, ohne Aussicht auf Erfolg; zwängt sich der enge Geist des ewig Gestrigen durchs Schlüsselloch, in dem das Kamel des Vorgängers stecken blieb. Fern die Heimat, frei der Geist, klar der Kopf – Hoffnung ist keine Unmöglichkeit. S. Read more →

Glück

Ich schreibe und denke; bin im Hier und oft im Gestern. Freudig blickt der Mond; ein warmer Wind umstreift den Geist. Fern der Träume von anderen Orten grüßt der Gedanke des Vergessens; das Gewesene blickt vor und zurück. Orte und Menschen sind ein großer Segen, sie sprechen leise, erhaben vom innigen Glück. S. Read more →

Rubikon

Wir glauben alles zu kennen; kennen aber den Glauben nicht mehr. Wir erkennen die Welt nur durch zweiter Hand. Die Segel gesetzt, die Armada in Fahrt; der Verstand winkt vom Kai zurück. Zurück war gestern, der Rubikon schon lange überschritten – cäsarisch die Blicke aus den Fenstern von Berolinum. Übermut zeichnet das Bild vom Untergang. Blauen Wellen bewegen das Meer… Read more →

Der Freytag: Stille Nacht – der Lärm der Zeit

Die Welt wird immer lauter; vielleicht merkt die Gesellschaft, dass ihr was fehlt? – Vielleicht die Orientierung? In der Nachbarschaft hustet einer vor sich hin; natürlich lautstark. Die Menschen auf der Straße niesen, schnäuzen sich und sind neuerdings mit Bluetooth-Boxen unterwegs und beschallen dabei ihre Umwelt mit ihrer Lieblingsmusik; natürlich auch wieder lautstark. Diese Mitmenschen gehen scheinbar davon aus, dass… Read more →