Kategorie: Text

Der Freytag: Heimat

Heimat riecht; Heimat schmeckt; Heimat inspiriert; Heimat spendet Kraft; Heimat heißt: verstanden werden. Sie spricht durch: Architektur, Natur und Mensch; Heimat klingt. Vergangenes Wochenende habe ich das 15-Uhr-Läuten meiner Heimatdorfkirche St. Sebastian in Oberfranken aufgenommen. Ich war jahrelang Ministrant in dieser Pfarrgemeinde und damals war die Welt noch in Ordnung. Die Kirche klingt noch genauso, wie sie damals klang; als… Read more →

Der Freytag: Ein Plädoyer für das Semikolon

Ein Hoch auf das Semikolon; ich liebe es; es trennt schärfer als ein Komma, aber schwächer als der Punkt; es gleicht dem Zeitgeist – es ist unverbindlicher, unkonkreter. Es lässt den Leser innehalten; aber trennt ihn nicht so abrupt vom Text ab wie der Punkt. Es lockert typografisch auf; es verfeinert stilistisch. Die Duden-Definition für das Semikolon lautet: »Das Semikolon,… Read more →

Der Freytag: Über Buchstabensuppe und über Bücher

Mit Büchern ist es wie mit Menschen; den meisten begegnet man nie; viele streifen unsere Wege, aber wir beachten sie nicht oder sie fallen kaum auf; nur wenige wecken unsere Aufmerksamkeit und wir verbringen Zeit mit ihnen; mitunter sind es nur Minuten, manchmal sind es Stunden beziehungsweise Tage und in wenigen und seltenen Fällen sind es Wochen, Monate oder Jahre… Read more →

Der Freytag: Der Gang vor die Hunde

Ein prophetisches Werk von Erich Kästner; vollendet im Jahre 1931; Zeilen zu einer irrsinnigen Zeit verfasst; kaum zwei Jahre später nahm der Irrsinn und der Wahn Gestalt an. Dr. Kästner habe ich total unterschätzt. »Emil und die Detektive« kennen die meisten. Aber »Der Gang vor die Hunde« – die Urfassung des Romans »Fabian« – kennen sehr viel weniger. Ich habe… Read more →

Der Freytag: Im Westen nichts Neues – (wie) nah ist der Osten?

Im Westen nichts Neues. Ein Roman aus dem Jahre 1929 von Erich Maria Remarque. 1933 ist das Buch von den Nazis verboten worden; wegen seiner »verräterischen« und nicht heroischen Darstellung des Krieges – auch dieses Werk landete auf den unzähligen Scheiterhaufen zwischen März bis Oktober 1933 in Deutschland, die an zahlreichen Orten entzündet wurden. Viele Autoren sind damals als verfemt… Read more →

Der Freytag: Ein Leben an der Mauer – Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit

Prolog »Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!« Ein politisches Versprechen. Plötzlich stand sie da. Ganz schnell wurde aus dieser Unwahrheit von Parteichef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 ein in Beton gegossenes Faktum. Bereits zwei Monate nach Ulbrichts Aussage war Baubeginn. Ganze 28 Jahre stand die Mauer inmitten von Deutschland: Baubeginn 13. August 1961, Mauerfall 9. November 1989.… Read more →

Der Freytag: Die Weimarer Klassik – Kaffeehausgedanken und die Herderkirche

Ich sitze im Kaffeehaus; die Gedanken sind entkoppelt von der Welt. Weimar ist klassisch – wenn man weiß, wo man hingehen muss. Ein Tisch im Kaffeehaus des Grand Hotels Russischer Hof in Weimar ist für ein paar Stunden Refugium. Am Nachbartisch sprechen elegant gekleidete Damen über Kultur, sie passen zum Augenblick und fügen sich in das Lebensmosaik des Tages harmonisch… Read more →

Der Freytag: Regen

Regen; ich liebe Regenstimmung; ich liebe den Klang von Regen – er befriedet die Welt. – Und unsere Welt sehnt sich nach diesem Regengefühl, nach familiärer Geborgenheit, nach warmen Regentropfen auf der dürstenden Seelen-Haut. Kurze Schauer spülen die Sorgen der Zeit hinfort; sie waschen den Geist frei von allen Nöten und entfesseln die Seele vom Staub der Vergangenheit. Im Regenschauer… Read more →

Der Freytag: Tannhäuser in Bayreuth und zurück zur Tradition oder ist die Welt nur eine Bühne mit einem Hauch von Hoffnung

Wenn die Welt eine Bühne ist, dann eine mit vielen Verfehlungen, einer Menge Eitelkeiten, einer Prise Heiterkeit und einem Hauch von Hoffnung. Nach Schiller: »Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn,/ erzeugt im Gehirne des Toren,/ im Herzen kündet es laut sich an:/ zu was Besserm sind wir geboren./ Und was die innere Stimme spricht,/ das täuscht die hoffende Seele nicht.«… Read more →

Der Freytag: Weltgericht – plötzlich und unerwartet

Johannes nimmt soeben Platz vor dem Gemälde: Weltgericht von Stefan Lochner im Wallraf-Richartz-Museum in Köln. Weich und bequem ist die Sitzbank, wenn auch ohne Lehne; das Anlehnen wäre jetzt eine Wohltat für seinen geschundenen Rücken: Fünf Stunden Museumsbesichtigung sind anstrengend; dennoch freut er sich über die Bank, wie ein kleines unschuldiges Kind. Warum sind Museumsbesuche immer anstrengend? Geistert durch seinen… Read more →

Wagner-Wissen

Nächsten Mittwoch der Tannhäuser in Bayreuth (WagnerFestival). Wir sind auf Klaus Florian Vogt als Tannhäuser gespannt. Etwas Wagner-Wissen: Über die Tannhäuser-Ouvertüre schreibt Richard Wagner als Bemerkung: »Nicht schleppend, gehend«. (R. liebte das Partizip Präsens ebenso.) Der Zwiespalt zwischen profaner und sakraler Liebe und die Erlösung durch Liebe zieht sich durch Wagners Leben; es schleppt sich mit. 2022 haben wir den… Read more →

Der seidene Faden

Die Intelligenz zerstört durch Schweigen; die Dummheit zerstört durch Wut; die Habgier zerstört durch Neid. Die Obrigkeit zerstört durch Arroganz. – Das Böse wirkt zerstörerisch mithilfe der Versuchung. Auch die Puppenspieler hängen an seidenen Fäden. S. Read more →

Der Freytag: Auf den Spuren von Wagner und Goethe in Marienbad

Auf den Spuren von R. Wagner und J. W. v. Goethe in Marienbad (Mariánské Lázně) unterwegs. 1845: Richard Wagner fand in der Abgeschiedenheit und Ruhe Marienbads Inspiration; entwarf hier zwei seiner wichtigsten Werke: Lohengrin und Die Meistersinger von Nürnberg. – Wohin wir auch gehen; Teile von uns bleiben stets zurück. Zeit der Anreicherung, wie Jünger sie nannte. Ab nächste Woche… Read more →

Der Freytag: Dichtung benötigt Distanz

Dichtung benötigt Distanz. Wer verdichten will, sollte Beobachter sein. Die Zeiten wiederholen sich, sagt man. Ich las das Buch Februar 33 von Uwe Wittstock, einem deutschen Literaturkritiker und denke immer häufiger über den Inhalt des Buches nach; sein Werk lässt uns Spätgeborene, diejenigen von uns, die die irren Zeiten in Deutschland nicht am eigenen Leib miterleben mussten, besser verstehen; begreifen,… Read more →

Der Freytag: Heiße Nächte in Palermo

Er sitzt im Café. Trinkt gedankenversunken seinen Cappuccino, der mit einer südländischen, lebensbejahenden Leichtigkeit frisch in diesem kleinen Café in Palermo serviert wurde. Das Interior ist verlebt, es atmet noch melancholisch die Luft der Vergangenheit. Die Kaffeefreude, das abgelebte Drumherum von diesem Ort des Augenblicks umschlingt wärmend sein Gemüt und beflügelt seine und die Seele aller anderen. Die Stimmung trägt… Read more →